[Rezension] Ein Stück Theater: Die Feuerzangenbowle

[Rezension] Ein Stück Theater: Die Feuerzangenbowle

Die Verfilmung der Romanvorlage von Heinrich Spoerl aus dem Jahr 1944 mit Heinz Rühmann ist längst zum Kultfilm nachfolgender Generationen geworden und eine wunderbare Nostalgiekomödie für das Theater. Ich selber habe den Originalfilm das erste Mal am 22.12.2015 im Centraltheater in Brake gesehen. Der Ton war furchtbar. Die Stimmung war einzigartig. Jedes Jahr an diesem Tag kann man den Originalfilm dort ansehen, so haben wir ihn uns auch im letzten Dezember angesehen. Jetzt habe ich meine Eltern und meine Schwiegereltern nach Wilhelmshaven eingeladen, denn das Stück läuft hier derzeit. Findet heraus, wie wir es fanden und lest weiter. :)

Ein Stück Theater: Die Feuerzanlenbowle an der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven
Bildquelle: http://www.landesbuehne-nord.de/stueck/721

Ausverkauft. Bis auf den allerletzten Platz ist dieses Stück ausverkauft und zwar nicht nur diese Vorstellung, sondern auch die vorangegangen. Die Karten habe ich bereits im Dezember gekauft, da ich sie zu Weihnachten verschenkt habe. Das war gut so.

Man kennt das Stück: Vier Lehrer gedenken einem alten Kollegen, der leider zu Grabe getragen werden musste. Man sinniert über alte Zeiten, freche Schüler und dumme Jungenstreiche. Der Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer hat sowas jedoch nie miterlebt, denn er war nie auf einem normalen Gymnasium, sondern wurde privat unterrichtet. Empörung, Protest, Erstaunen und eine einzigartige Idee: Herr Pfeiffer wird als Schüler auf ein Gymnasium geschickt. Ein paar Veränderungen hier und da, der Bart ab, die Haare kürzer, ein paar Schulbücher unter dem Arm und schon geht er als junger Gymnasiast durch, der im letzten Jahr, kurz vor seinem Abitur steht.

Peiffer solle dort all die Erfahrungen machen, die die anderen Lehrer zwar an den Schülern so stört, aber selber als Schüler toll fanden. Die Zeit prägte einen und ließ einen einzigartige Erfahrungen machen. Sie rieten Pfeiffer, diese Zeit voll auszunutzen und allen Blödsinn zu treiben, der ihm einfallen möge. Das tat er.

Hier wird er „Schöler“ von Professor Crey, lernt beim Bömmel „wat issene Dampfmaschin’“ und erlebt hautnah den Unfug seiner pubertierenden Mitpennäler – nicht ohne selbst kräftig dazu beizutragen und die Lehrkörper damit an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu treiben. Doch aus dem Spaß entwickeln sich rasch ernstere Absichten, denn die reizende Musikreferendarin weckt in ihm recht erwachsene Gefühle …

Dies schreibt die Landesbühne selber über den Inhalt des Stückes und man darf sich auf Altbekanntes und auf Neues freuen.

Das Stück am Stadttheater Wilhelmshaven beinhaltet bekannte Figuren aus der Originalverfilmung, ganz fantastisch dargestellt, inklusive Dialekt und typischen Aussagen – „Jäder nor einen wenzigen Schlock!“. Trotzdem sind Unterschiede zum Film erkennbar und genau das macht das Stück so charmant und interessant, denn den Film kennt man schließlich. Dialoge wurden verändert, ein kleines Stück der Geschichte ebenso, wie Witze und Sprüche. Das Publikum hat laut gelacht und zwischendurch immer wieder geklatscht, weil man einfach nicht anders konnte.

Mit minimalem Aufwand wurden unterschiedlichste Kulissen und Orte dargestellt und die Umbaupausen wurden tänzerisch aufgepeppt, sodass diese nicht störend, sondern eher interessant und lustig waren. Heinz Rühmann stand natürlich nicht auf der Bühne – Gott hab ihn seelig – aber der Schauspieler Simon Ahlborn war die beste Besetzung für diese Rolle, würde ich wohl meinen. Sehr attraktiv, wie ich finde, ein wirkliches Talent und absolut vergleichbaren Charme wie Heinz Rühmann selbst… nur am Betrunkensein muss er noch ein bisschen feilen. ;) Auch die restliche Besetzung war fantastisch, ganz besonders der Lehrer Prof. Crey alias Schnauz mit seinem unverwechselbaren Dialekt, den der Schauspieler Helmut Röhl unfassbar gut gespielt hat.

Ein Stück Fazit

Das Stück dauert recht lange mit seinen 2:40h, inklusive einer Pause von etwa 20min. Irgendwann merkt man dann auch wie lange es ist… vielleicht einen Ticken zu lang, muss ich sagen. Auch mein Freund findet, dass die zweite Hälfte dann an Qualität etwas nachgelassen hat. Im Ganzen waren wir jedoch alle überaus begeistert und das Stück ist absolut empfehlenswert.

Ein Mal hat man noch die Gelegenheit, dieses Stück in Wilhelmshaven am Stadttheater anzusehen (eine der zwei folgenden Aufführungen ist bereits ausverkauft) und zwar am 9. April um 19 Uhr. Lasst euch das nicht entgehen! Studierende bekommen außerdem ordentlich Rabatt. ;)

Viel Spaß beim Anschauen! :)

Homepage der Landesbühne
Wikipedia-Beitrag



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