[Gastbeitrag] Wie das Tablet unser Leben in der Zukunft beeinflusst

[Gastbeitrag] Wie das Tablet unser Leben in der Zukunft beeinflusst

Heute möchte ich euch meinen ersten Gastbeitrag präsentieren, der von Marco Feldmann verfasst wurde. Es geht um das Tablet, was er Sybille nennt. 2015 hat er am DUDEN open Wettbewerb für Jungjournalisten teilgenommen und ist mit diesem Text auch ins Finale gekommen. Leider wurde dieser Text nie irgendwo veröffentlicht und ihr seid, neben der Jury, die ersten, die ihn lesen dürfen. :)

Wie wird unser Leben in Bezug auf Technologie wohl in der Zukunft aussehen? Was Sybille damit zu tun hat, erfahrt ihr beim Lesen. :)

Das vorgegebene Thema des Wettbewerbs:

Wie  sieht  unsere  mediale  Zukunft  aus? Smartphone,  Youtube  und  Netflix  –  das  reicht,  oder?  Brauchen  wir  in  Zukunft  noch  Bücher?  Wie sieht  das  Lesen  und  Lernen  in  zehn  Jahren  aus?  Gibt  es  noch  gedruckte  Zeitungen?  Noch  die Tagesschau  um  20  Uhr?  Noch  Schulbücher?  Wie  werden  Journalisten  publizieren?

Eine Zukunftsperspektive

„Jauchzet, frohlocket…“ tönt es aus meinem Tablet. Die Adventszeit hat begonnen. „Guten Morgen am Donnerstag, den 5. Dezember 2025! Heute ist ein milder Tag und es ist zwischen 0 und 4°C warm.“ Ich mühe mich aus dem Bett. Manchmal geht mir Sybille, wie ich das Tablet nenne, ziemlich auf den Keks.

Bildung ist ja gut und schön, aber für mich gilt immer noch: Kaffee vor Klassik! Nach dem Frühstück starte ich widerwillig das Tagesprogramm. Jeden Tag das gleiche: 15 Minuten tagesaktuelle Nachrichten, dann der Upload meiner gestrigen Hausaufgaben. Anschließend, wenn nötig, die Korrektur selbiger und Wiederholung von gestern. Dann startet der virtuelle Unterricht.

Sybille ist mein wichtigstes Gerät. Alles in meinem Leben spielt sich darüber ab. Daher flitze ich auch in jeder Pause schnell nach draußen und sammle Blätter oder Steine, denn ohne einen Beweis, dass ich draußen war, würde Sybille nach der Pause tot bleiben.

In der vierten Schulstunde erschrecke ich plötzlich beim Arbeiten. Sybille hat das Rezept, welches ich mir ausgesucht habe, an den Herd geschickt, der soeben angesprungen ist und Wasser erhitzt. Das heißt es gibt gleich Mittag. Während des Essens schaue ich einen Film im Internet. Er handelt von Sozialen Netzwerken, wie es sie vor einigen Jahren noch gab. Heutzutage sind soziale Kontakte im Allgemeinen unüblich, solange man noch lernt. Wenn man später im Büro arbeitet, da trifft man tatsächlich auch mal Kollegen. Ich kenne neben Sybille eigentlich nur noch meine Eltern. Ich sehe sie manchmal, wenn ich lange aufbleibe, wie sie abends nach Hause kommen und ins Bett gehen. Letzte Woche haben wir sogar mal ein paar Worte gewechselt.

Ich schrecke hoch. Kurz vor Ende ist der Film einfach angehalten. Ein neues Fenster öffnet sich. Meine Schullektüre. Sybille weiß, dass ich sie nie lesen würde, wenn sie mich nicht dazu zwingt. Thema: Lektüre in den 10’er Jahren. Ich kämpfe mich also durch zwei weitere Kapitel von Charlotte Roche. Um 16:00 Uhr ist der Unterricht endlich beendet. Ich gucke den Film zu Ende und verbringe den Rest des Tages mit YouTube. Ich drehe selber auch Videos. Das muss ich, wenn ich YouTube nutzen will. Früher war das freiwillig, aber heute würde keiner mehr Videos hochladen und sich damit vom Tablet lösen, gäbe es nicht die Upload-Pflicht für User. Natürlich muss man selbst vor der Kamera stehen. Let’s Plays sind schon lange verboten. Mir soll’s Recht sein, ich habe echt Spaß am Drehen.

Weihnachten ist endlich da. Sybille weckt mich mit einem populären Weihnachtslied und ich weiß, heute ist Heiligabend. Keine Schule bedeutet, den ganzen Tag zocken und Serien gucken. Dann ist endlich Bescherung. Ein Android bringt die Pakete. Meine Eltern sitzen mit mir im Zimmer. Selbst sie haben heute frei und wir unterhalten uns lange. Ich habe von Daddy eine DVD bekommen, so ein richtig altes Teil, was ich in unseren Fernseher stecken kann. Filme gucken wie früher. Nicht auf dem Tablet, sondern auf dem alten Flatscreen. Doch das Geschenk von meinem Opa toppt das Ganze noch. Ein echtes Buch. Aus Papier, mit Seiten. Wie man zu seiner Zeit gelesen hat. Es ist schon ganz vergilbt, aber es ist ein wahrer Schatz. Es handelt von einem Krieg. Sybille zeigt mir sowas ab und an mal in den Nachrichten.

Jetzt, wo kaum noch einer das Haus verlässt, wenn es nicht nötig ist, befinden wir uns auf dem besten Weg zum Weltfrieden. Daher bin ich sehr gespannt, was das Buch so alles über Krieg zu erzählen hat. Doch bevor ich mich dem Buch widme, schalte ich den Fernseher ein. Solange meine Eltern da sind, können wir den Film auch gemeinsam gucken. Im Fernsehen läuft wie immer „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Die einzige Show, die noch nicht abgesetzt wurde und in der noch echte Menschen mitspielen. Ich habe das Gefühl, GZSZ wird nie enden. Der Film beginnt. Avatar, ein grafisches Meisterwerk für die Zeit, wie mir Dad erzählte. Heutzutage mache ich für YouTube Videos in einer besseren Qualität.

Die Woche nach Weihnachten ist wieder eine ganz normale Schulwoche. Da kaum noch was passiert auf der Welt, werden die täglichen Nachrichten immer kürzer. Opa hat mal erzählt, dass früher die „Tagesschau“, wie man die Nachrichten damals nannte, immer nur negativ geprägt waren. Krieg hier, Tod da und Naturkatastrophen dort. Seit man alles von zu Hause macht oder von Androiden erledigen lässt, ist dem nicht mehr so. Der Klimawandel geht immer mehr in eine positive Richtung, Kriege werden immer weniger und Terroranschläge sind mittlerweile quasi technisch unmöglich. Die einzigen negativen Nachrichten sind irgendwelche alten Promis, die heute nur noch die Alten kennen, die irgendwann sterben.

Wir sind eben noch nicht unsterblich. Aber immerhin kurz davor. Dann kommt aber doch eine Meldung, die mich schockiert. Es ist tatsächlich jemand krank geworden. Wie kann das denn passieren? Der Bericht sagt, sein Tablet habe den Geist aufgegeben. Ohne Tablet ist ein Leben heute nicht mehr möglich. Das Tablet wacht über all deine Vitaldaten und ist auch das einzige Gerät, das wüsste, was zu tun ist, wenn man krank ist. Andere Tablets bringen dir nichts, da jedes auf seinen Besitzer abgestimmt ist. Wenn der Körper sich nicht selbst heilt, bleibt nur der Tod. Wenn ich mit der Schule fertig bin, will ich daran arbeiten,unsterblich zu werden. Solange ist diese Welt einfach noch nicht perfekt.

Ich melde meine Pause an und gehe draußen spazieren. Wenn man nicht einfach rennt, sondern die Welt mal in Ruhe betrachtet, kann man einiges Schönes finden. Ich muss daran denken, Sybille ein wenig mehr Geschichte lehren zu lassen. Schon interessant, wie schnell sich die Welt durch Technologie verändert. Meine Eltern und Großeltern lebten bis vor zehn Jahren noch in einer ganz anderen Welt. Einer besseren? Ich glaube nicht. Ziemlich gleichwertig. Wir haben jetzt nur andere Probleme, als damals!


Ich finde das Thema, den Text und auch die Herangehensweise von Marco sehr interessant. Wie unsere Welt sich in Bezug auf Technologie wohl entwickeln wird. Wie wird sie sich in unserer Lebenszeit noch entwickeln und wie, wenn wir mal nicht mehr sind? Könnt ihr euch vorstellen, dass Tablets oder ähnliche Geräte einmal einen so hohen Stellenwert für unser gesamtes Leben einnehmen werden oder dass wir, um Videos auf YouTube anzusehen, verpflichtet sind, selber dort welche zu veröffentlichen? 

Wer ebenfalls möchte, dass seine Texte veröffentlicht werden, darf einmal hier reinschauen und mir dann sehr gerne eine Mail schicken! :)

Feder



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