Heute möchte ich auf ein persönliches Thema eingehen und zwar das Nägelkauen. Ich weiß nicht wie alt ich war und ich weiß auch nicht, ob es einen Auslöser gab, aber irgendwann als ich noch sehr jung war, fing ich an, an meinen Nägel zu kauen. Ich habe sie nicht nur ein bisschen abgekaut, weil sie zu lang waren, nein. Ich habe sie beinah bis auf die Hälfte des Nagelbettes abgekaut, nicht selten hat es geblutet.

20150711_090509Wenn ich heute daran denke, wird mir schlecht, muss ich gestehen. Meine Eltern haben es mit diesem ekeligen Stop-Nailbiting Zeug probiert, aber ruckzuck war so ein Fläschchen alle. Dann haben sie es mit Versprechen probiert, probiert mich mit Dingen zu locken, die ich so gerne haben wollte: „Wenn du aufhörst an deinen Nägeln zu kauen, bekommst du das Prinzessinnenschloss von Belleville.“ Tja das Schloss war ganz wunderbar, ich habe gern damit gespielt, als ich es dann zu Weihnachten bekommen hatte. Anmerkung für meine Mutter: Pädagogisch nicht sehr wertvoll, möchte ich nur sagen. :D Auf jeden Fall hat nichts dergleichen funktioniert.

Als ich 15 war hatte ich meinen ersten Freund und ich schämte mich für meine Nägel. Als ich 17 war, habe ich angefangen in einem Restaurant als Servicekraft zu arbeiten. Dort habe ich mich noch viel mehr für meine Nägel geschämt. Mein Freund fand das auch nicht so toll und sagte, ich solle einfach damit aufhören. Einfach war einfach gesagt. Jedes Mal, wenn ich meine Hände auch nur annähernd am Gesicht hatte, hat er mir auf die Hände gehauen. Das war der Anfang vom Ende. Mit diesem Freund ging es dann auch irgendwann zu Ende, aber auch die nächste Person, in die ich mich verliebte, unterstütze mich dabei mit dem Nägelkauen aufzuhören.

Jahrelang habe ich daran gearbeitet. Die Nagelfeile war mein täglicher Begleiter, denn sobald auch nur eine kleine Ecke an meinen Nägeln war, war das Grund genug den kompletten Nagel abzukauen. Ich konnte irgendwann meine Nägel lackieren, erstmal mit Klarlack, Farbe hätte scheiße ausgesehen. Aber auch Farbe ging irgendwann und ich war stolz auf mich. Heute habe ich noch relativ weiche Nägel, wie ich finde, aber „lang“. Ich kann sie nicht so lang tragen wie andere, dann nehmen sie eine komische Form an und reißen an den Seiten ein, aber ich kann sie lackieren und feilen und ich bin immer noch stolz auf mich. Die Länge auf dem Bild ist auch in etwa die Maximallänge, die bei mir machbar ist, bzw die Länge, bei der ich eigentlich schon wieder kürzer feile.

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Es ist nicht so, dass ich nie wieder gekaut habe und sozusagen ganz „geheilt“ bin. Nein, es gab in den letzten Jahren Situationen oder Phasen, in denen alle 10 Nägel wieder komplett abgekaut waren. Nie wieder so drastisch kurz, wie es der Fall war, als ich exzessiv gekaut habe. Dass die Nägel aber grundsätzlich abgekaut waren, war Grund genug mich traurig und schlecht zu fühlen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Meist waren das Phasen, in denen es mir schlecht ging oder wenn ich besonders gestresst und angespannt war.

Kein Mittel hat mir dabei geholfen das Problem zu beseitigen. Es war einfach die Liebe und der Glaube einer Person, daran, dass ich es schaffen könnte. Keine Verurteilung, sondern Unterstützung hat geholfen. Ich wollte es selbst immer, aber hatte nicht die Kraft, nicht die Disziplin dazu. Mit jemandem an meiner Seite habe ich es aber geschafft und da bin ich dankbar für. Ich bin immer noch stolz auf mich. Jedes einzelne Mal, wenn ich meine Nägel lackiere. Jedes Mal, wenn ich mich ausversehen mit meinen Nägeln kratze – damit umzugehen ist manchmal gar nicht so leicht. Jedes Mal, wenn ich nicht kaue, obwohl mir ein Nagel einreißt. :)

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