Jan Dirk (Name geändert) ist ein plattdeutscher Schriever (Plattdeutsch: Schriftsteller), der ursprünglich aus Jever stammt. Mittlerweile wohnt er in Brake und ist im Ruhestand. Nach über 800 veröffentlichten Geschichten, zwei eigenen Büchern und mehreren Anthologien, stehen alle Geschichten eigens gebunden im dunklen Regal zu Hause im Arbeitszimmer. Trotz seines Alters sprudeln die Ideen und der Ulk noch aus ihm heraus.

Was sprechen Sie lieber: Hochdeutsch oder Plattdeutsch?
Plattdeutsch. Die hochdeutsche Sprache ist eine sehr harte Sprache, Plattdeutsch ist viel weicher. Im Plattdeutschen kann ich sagen: „Klei mi doch an Mors!“, der andere antwortet dann: „Ja du mi ook.“. Sowas kann ich im Hochdeutschen so nicht sagen, mein Gegenüber könnte mir das sehr übel nehmen.

Welche Sprache würden Sie gerne lernen?
Eine von früher, vielleicht Altgriechisch. Nach den anderen Sprachen, die tatsächlich gesprochen werden, kann ich die Leute auch fragen.

Was war das letzte Mal, dass sie etwas zum ersten Mal getan haben?
Mit 72 habe ich mich hingesetzt und Zither gelernt. Auf einer Weihnachtsfeier war eine Frau, die dieses Instrument spielte. Als sie aufstand, fragte ich, ob ich auch einmal spielen dürfe. Ich habe mich drangesetzt und „Oh Tannenbaum“ gespielt, so dass die Leute das sogar erkennen konnten. 14 Tage später hatte ich auch eine Zither und habe angefangen, es mir selber beizubringen. Bei mir spielt die Neugier eine große Rolle. Wenn andere etwas können, was ich toll finde, dann möchte ich es auch können.

Verhalten Sie sich Ihrem Alter entsprechend?
Nein, vielleicht müsste ich gesetzter und ruhiger sein, mir nicht so viel Ungereimtes ausdenken. Bekannte sagen oft, dass ich mir da einen zurecht rede. Es kann auch mal sein, dass ich spaßeshalber, beim Reden mit fremden Leuten, ein Wort unterbringe, das noch gar nicht existiert.

Zum Beispiel: „Man muss ganz vorsichtig serafrieren, dann kriegt man das schon hin.“

Wo geht es mit der plattdeutschen Sprache hin?
Eine Frage, die uns plattdeutschen Autoren immer wieder gestellt wird – wohin? Meine Großeltern sprachen noch sehr viel Platt miteinander. Meine Eltern hatten es damals schwer, in der Schule Hochdeutsch zu lernen. Heute ist diese Sprache als eigenständig eingetragen. Wer Plattdeutsch kann, kann zwei Sprachen. In Schulen versucht man sie zu erhalten, aber sehe ich auf mein Leben zurück: diese Sprache wird immer weniger gesprochen. Die heutige Generation nutzt sie kaum noch, oft gar nicht mehr. Plattdeutsch ist wie ein alter Segler aus Holz: Man muss ihn über Wasser halten!

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