[Im Test] Das kleine Kino um die Ecke

Die Multiplex-Kinoketten Cinestar, CinemaxX und Kinopolis haben deutschlandweit zusammen einen Marktanteil von fast 50 Prozent. Kinoketten regieren demnach den Kinomarkt in Deutschland, aber es gibt auch noch kleine Kinos, die von Privatpersonen mühsam am Leben gehalten werden. Dazu gehören das Centraltheater in Brake sowie der Filmpalast in Nordenham. Beide Kinos habe ich mir einmal näher angesehen.
Bei diesem Test gehe ich auf folgende Kriterien ein:

• Der Kinosaal an sich (Größe, Komfort der Stühle, Filmerlebnis durch Sound und Leinwand)
• Angebot und Preise von Filmen und Snacks/Getränken
• Internetauftritt
• Besonderheiten des Kinos

Centraltheater Brake – mehr als nur ein Kino

Das Centraltheater in Brake ist seit den siebziger Jahren ein kommerziell genutztes Kino, ab 2007 stand es einige Jahre lang leer. Seit 2012 ist es wieder eröffnet und wird seit 2013 von einer Genossenschaft betrieben, die mittlerweile fast 220 Mitglieder zählt. Mit einem festen Angestellten und der Unterstützung einiger ehrenamtlicher Mitarbeiter kann das Kino am Leben erhalten werden. Der Kinosaal wirkt durch die kuppelförmige Rundung in der Decke größer als er wirklich ist – für rund 200 Leute bieten die roten Kinostühle Platz. Nach knapp 2,5 Stunden Film ist man allerdings doch froh, wieder aufstehen zu dürfen. Durch eine Ablage, die vor den Kinobesuchern angebracht ist, ist genug Platz, um Snacks und Getränke abzustellen. Auf dieser Ablage ist außerdem pro Viererreihe ein kleines Lämpchen installiert, welches angenehmes Licht spendet. Weniger angenehm: es wird während des Films nicht ausgemacht, sondern nur stark heruntergedimmt, was ein wenig irritieren kann. Die Leinwand ist ausreichend – im Vergleich mit einem CinemaxX ist diese natürlich wesentlich kleiner, trotzdem ist sie groß genug, um ein tolles Kinoerlebnis zu haben. Der Sound scheint, trotz Wölbung der Decke und der Größe des Raumes, was den Sound unterstützen sollte, nicht sonderlich gut zu sein. Der Sound verliert sich eher etwas im Raum und das Gefühl mittendrin zu sein, kommt nicht auf. Von anderen Besuchern wurde der Sound hingegen gelobt.

Das Besondere an diesem Kino ist die Atmosphäre: als ehemaliges Theater hat diese Räumlichkeit eine Bühne von zehn mal vier Metern, direkt vor der Leinwand, die auch rege genutzt wird. Um dem Wettbewerb gegenüber Kinoketten standhalten zu können, muss sich ein Privatkinobetreiber etwas Besonderes ausdenken. Dieses Kino wird zusätzlich für Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen oder andere kulturelle Veranstaltungen genutzt. Aktuelle Filme werden daher nur in geringer Zahl angeboten (Januar 2015 „Honig im Kopf“: vier Vorstellungen), aber auch Klassiker und andere ältere Filme (Januar 2015 „Ziemlich beste Freunde“: eine Vorstellung) werden zuweilen gezeigt. Um das Publikum in die Entscheidung, welche Filme gezeigt werden sollen, mit einzubeziehen, wird auch schon mal auf der eigenen Facebook-Seite mit Hilfe einer Umfrage nachgefragt.

Für eine Kinokarte zahlt ein Erwachsener 8,00 Euro. Trifft man sich mit Freunden und findet sich mindestens zu viert zusammen, zahlt man noch 6,50 Euro pro Person. Studenten zahlen lediglich 6,00 Euro. Ab 119 Minuten Filmlänge gibt es einen Überlängenzuschlag von 50 Cent. Karten können bereits vorab online reserviert werden. Besucht man oft die Veranstaltungen des Centraltheaters, lohnt sich die Bonuskarte, mit der man zehn Prozent sparen kann. Natürlich werden auch Snacks und Getränke angeboten: Neben Softdrinks gibt es Prosecco, Wein und Bier, aber auch Süßigkeiten und Popcorn können gekauft werden. Diese kommen frisch aus der eigenen Popcornmaschine und werden in keinem Wärmebehälter gelagert. Es gibt allerdings nur kleine Mengen an Getränken und Snacks zu kaufen. Für eine kleine Tüte Popcorn und eine kleine Cola zahlt man hier 3,00 Euro.

Möchte man sich über das aktuelle Programm informieren, ist man auf der Internetseite oder der Facebook-Seite bestens aufgehoben. Beide Seiten informieren über das Programm sowie aktuelle Besonderheiten. Zudem findet man Bilder von vergangenen Veranstaltungen und zahlreiche Zusatzinformationen.

Ein bunter Abend in gemütlicher Atmosphäre ist hier sicher.

Filmpalast Nordenham – Popcorn könnte man vom Boden essen

Nordenhams Kino ist gleich um die Ecke vom Bahnhof, keine fünf Minuten Fußweg entfernt. Von außen kaum als Kino zu erkennen, wirkt es im Eingangsbereich eher wie der Wartebereich bei einem Arzt, nur etwas farbenfroher und nicht so steril.

Der Kinosaal ist klein und gemütlich, ähnlich wie bei einem großen Filmabend mit Freunden. Für etwa 150 Leute ist trotzdem Platz. Im Vergleich zu Brake sind hier die Gänge schmaler und der Tresen ist kleiner. Die Sitze waren auch bis zum Ende des langen Films bequem und Rückenschmerzen bleiben den Besuchern erspart. Auch hier gibt es eine Ablage für Snacks und Getränke. Die Leinwand ist schätzungsweise genauso groß wie in Brake, doch scheint der Sound besser zu sein. Durch den eher kleinen Raum ist die Lautstärke optimal und der Sound kann sich nicht im Raum verlieren, sondern füllt diesen angenehm aus. Wer weit vorausplanen möchte, ist bei diesem Kino allerdings an der falschen Adresse: der Filmpalast veröffentlicht sein Programm immer nur für eine Woche. Dieses besteht aus aktuellen Filmen, unter anderem „Der Hobbit“, „Honig im Kopf“ oder „Paddington“, die durchaus mehrmals in der Woche und auch zu unterschiedlichen Zeiten laufen.

Für eine Kinokarte zahlt ein Besucher 8,50 Euro, Vergünstigungen gibt es hier weder für Studenten, noch für sonst jemanden. Möchte man ein wenig sparen, lohnt es sich das Kinoerlebnis auf den Kinotag zu beschränken, denn montags kostet der Eintritt nur 5,00 Euro pro Person. Auch hier ist für die Verpflegung während des Films gesorgt: Softdrinks und Snacks gibt es an der Kasse. Für eine Cola und eine kleine Schale Nachos zahlt man zusammen 5,00 Euro – die große Schale Nachos war nicht mehr zu bekommen, da es keine großen Schalen mehr gab. Möchte man zusätzlich Popcorn, könnte man auch einfach das vor sich auf dem Boden aufsammeln, denn dort lag genügend herum. Auch der Tresen stand noch voll mit leeren Flaschen und Popcorn-Tüten aus der vorigen Veranstaltung. Bei diesem Kritikpunkt sollte man beachten, dass die Dame hinter der Kasse alleine war und den doch recht starken Andrang an Gästen alleine bewältigen musste. Zudem kommt hinzu, dass private Kinos meist wenig Geld zur Verfügung haben und sich nicht mehrere Mitarbeiter an einem Abend leisten können. Allerdings muss angemerkt werden, dass der Tresen auch nach dem zweiten Film noch voll stand.

Das wöchentliche Programm kann man sich auf der Internetseite ansehen. Weitere Informationen finden sich hier nicht, trotzdem wird der Besucher zwei Mal darauf hingewiesen, dass man versucht, dessen Aufenthalt so informativ wie möglich zu gestalten. Dies wird auch auf der Facebook-Präsenz versprochen, der letzte Eintrag stammt allerdings vom 2. Mai 2014.

Wer spontan ist und wem es nicht allzu viel ausmacht, dass der Kinosaal nicht blitzblank sauber ist und der Kinopreis zusätzlich dem Preis in einem großen Multiplex-Kino ähnelt, der ist hier bestens aufgehoben.

Fazit

Der Wettbewerb von kleinen, privat geführten Kinos gegenüber großen Kinoketten, die meist im nächsten Ort zu finden sind, muss unwahrscheinlich schwer sein. Der Besitzer eines kleinen Kinos muss ein Alleinstellungsmerkmal erschaffen, welches sein Kino von anderen unterscheidet und Kunden anlockt. Dinge wie Sauberkeit, Service oder Freundlichkeit sollten selbstverständlich sein. Nordenham konnte diese Punkte nicht vollständig erfüllen. Brake hingegen kann sich kaum mehr Mühe geben, was Kundennähe und Angebotsvielfalt betrifft.
Die Qualität des Filmes hängt allerdings nicht vom Kino ab, also kann ein Film – egal in welchem Kino – ganz wundervoll sein.

Viel Spaß beim nächsten Kinobesuch!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.